Neue Nutzung für das «Alte Mädchenschulhaus»

von Clemens Fässler

Das «Alte Mädchenschulhaus», welches östlich vom Konventgebäude direkt an die Klostermauer gebaut ist, wurde seit letztem Jahr aufwendig und fachgerecht renoviert. Neu finden sich darin vier Wohnungen, die extern vermietet oder auch von einer künftigen Gemeinschaft benutzt können.

Die Voraussetzungen beim ehemaligen Schulhaus waren gut: Die hohen und grossen Räume eignen sich sehr gut für moderne Wohnformen. Gleichzeitig ermöglichen die direkten Zugänge vom Kloster und von ausserhalb der Klostermauer her eine vielseitige Nutzung. Diese multioptionale Verwendung sollte erhalten bleiben. Entstanden sind vier Wohnungen mit 1,5 bis 3,5 Zimmern, verteilt auf zwei Stockwerke. Sie bestechen mit einer gelungenen Kombination von historische Bausubstanz und moderner Einrichtung.

Alt und neu kombiniert

Die alten Parkettböden, die getäferten Wände und die hohen Fenster konnten erhalten und fachgerecht restauriert werden. Sie werden kombiniert mit dezenten modernen Einrichtungen, insbesondere in Küche und Bad. Die grosszügigen ehemaligen Schulzimmer, die Küche, Wohnen und teilweise auch Schlafen verbinden, erinnern an Loftwohnungen, während die eher kleinen und verwinkelten Nebenzimmer einen ganz individuellen Charme ausstrahlen. Im Erdgeschoss gibt es Wasch- und Kellerbereiche sowie einen Veloraum. Das eigentliche Highlight ist aber die Lage: Mitten im Dorf und nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, steht es doch abseits von Verkehr und Lärm mit ruhigem Blick auf den einzigartigen Klostergarten.

Externe Vermietung

Die Wohnungen werden künftig vermietet, wodurch sie einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Stabilität der Stiftung leisten. Als solche sind sie nicht mit dem Kloster und der dortigen Herberge verbunden. Sie könnten aber auch als exklusive Zimmer für die Herberge genutzt werden. Schliesslich können sie einzeln oder auch zusammen den Wohnbereich oder die Klausur einer künftigen Gemeinschaft bilden. Damit steht die Sanierung des «Alten Mädchenschulhauses» ganz im Sinne des Stiftungszwecks: Die Einnahmen helfen beim Erhalt des Klostergebäudes und die Wohnungen ermöglichen künftiges spirituelles Leben. Übrigens: drei Wohnungen sind bereits vermietet, eine aber ist noch frei.

 

Zur Geschichte des «Alten Mädchenschulhauses»

Das «Alte Mädchenschulhaus» steht etwas versteckt hinter dem grossen Konventgebäude, fast eingeklemmt zwischen diesem und dem ebenfalls dominanten Chlos-Schulhaus. Verbunden ist es mit beiden Gebäuden, es schlägt quasi eine Brücke vom kontemplativen Kloster zum öffentlichen Schulhaus. Damit zeigt es sehr schön seine ehemalige Aufgabe und auch die für rund 160 Jahre sichtbarste Tätigkeit der ehemaligen Schwestern.

Prägend für Generationen von Appenzeller Mädchen

Als nämlich Innerrhoden 1811 den Volksschulunterricht einführte, übertrug die Standeskommission dem Frauenkloster die Führung der Mädchenschule, womit auch der Staatssäckel geschont werden konnte. Den Schwestern eröffnete sich damit eine neue Aufgabe, die sie mitten in den Lebensalltag von Generationen von Mädchen brachte. Dazu wurde 1878 östlich des Klosters ein eigenes Schulhaus erbaut, das «Alte Mädchenschulhaus». Damit die Schwestern für den Unterricht das Kloster nicht verlassen mussten, wurde eine Passerelle gebaut, während die Mädchen den direkten Eingang durch die Klostermauer nehmen konnten. 1910 wurde eine weitere Passerelle zum neuen Schulhaus Chlos erstellt, das ebenfalls von den Schwestern gebaut und geführt wurde.

Nur noch als Gruppenraum

1973 gaben die Schwestern aufgrund von Personalmangel und den Entwicklungen in der Volksschule die Unterrichtstätigkeit auf. Das «Alte Mädchenschulhaus» war bereits damals nicht mehr eigentliches Schulhaus, sondern wurde lediglich für einen Gruppenraum benutzt, dies aber noch bis 2023 von der Primarschule Appenzell benutzt.

 

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